Presse

Auf Richters Spuren

Der erste Abend des Tübinger Pianistenfestivals im Festsaal

 

[...]nur eine kleine Stehlampe spendete dem Pianisten Licht. Ältere Konzertbesucher dürften sich dabei an den legendären Klavierabend Svjatoslav Richters in Tübingen erinnert haben. Doch auch am Bechstein-Flügel wandelte J. Sebastian Bernard auf Richters Spuren. Mit strengem Zugriff ging Bernard die Französischen Suiten Nr. 4 und 5 von Johann Sebastian Bach an. Das war nicht "Frühlingssonnenschein und Veilchenduft", wie sie der Große Bach- Forscher Philipp Spitta aus diesen Suiten hatte hervorbrechen sehen, sondern wie gemeißelt. Bernards bedeutungsschwere Bach- Interpretation überzeugte unmittelbar, ihr voller Sinn erschloss sich gleichwohl erst vom Ende des Konzerts her.

 

Musikalische statt pianistische Abgründe

 

Es war, als hätte der ganze Abend nur auf diesen Augenblick hingelebt, als der verhaltene Beginn der h-Moll Sonate von Franz Liszt erklang. Bernard gestaltete das gewaltige Werk mit tiefstem Ernst und gestalterischer Kraft. Gänzlich uneitel ließ er die pianistischen Abgründe wie die gefürchteten Doppeloktaven-Läufe unter seiner stupenden Virtuosität gleichsam verschwinden, um die Aufmerksamkeit um so mehr auf die musikalischen Abgründe zu lenken.

Die Kontraste zwischen heftigsten Ausbrüchen und den von Bernard geradezu zauberhaft ausgesungenen schumannesken Episoden waren atemberaubend. Und dann wurden in den Ab- und Umbrüchen plötzlich wieder die Loure, im energischen Fugenabschnitt die fugierten Giguen der Französischen Suiten durchhörbar. Das Publikum dankte mit Ovationen. Bernard gehört die Zukunft.

 

Südwestpresse  

Der Pianist überzeugte das begeisterte Publikum 

[...] sein Spiel wurde zum Spiegelbild mozartscher spielerischer Heiterkeit. Mit sensiblem Anschlag entwickelte Sebastian Bernard aus einer schlichten Tonlinie heraus ein spannungsvoll harmonisches Geschehen in vollgriffigem und sicherem Spiel. [...] die Töne rasten wie wahnwitzig auf und ab. [...] Den Höhepunkt des Abends setzte Bernard mit der h-moll Sonate von Franz Liszt. Einmal mit höchster Kraft und dann wieder in empfindsam weicher Tonmodellierung offenbarte die einsätzige Sonate verschiedene Instrumentalfarben. Immer wieder durchlebte das begeisterte Publikum höchste Spannung und Entspannung als musikalische Abbilder von menschlicher Leidenschaft und seelischen Kämpfen [...].

 

Südkurier 

Altes Rathaus mutiert für zwei Stunden zur Alten Oper Frankfurt

Konzert: Pianist Johannes Sebastian Bernard brilliert mit virtuosem, farbenreichen Spiel – Unverwechselbare Interpretation einer Liszt-Sonate.

[...]

Kulturreferentin Gabriele Schmidt hatte einen Künstler verpflichtet, der heute zu den interessantesten Pianisten zählt - nicht nur in Deutschland.

In Miltenberg zelebrierte er mit perfekter Technik, mit verblüffender spielerischer Leichtigkeit selbst bei den anspruchsvollsten Passagen und mit einem völligen Verzicht auf störende Selbstdarstellung eine spannende Reise durch zwei Jahrhunderte Klavierliteratur.

Einstieg der Extraklasse

Johann Sebastian Bachs Französische Suite Nr.5 von 1742 war bereits ein Einstieg der Extraklasse: Bernards präziser Anschlag, die klare Struktur seines Spiels, das die variantenreichen Themen in den sieben Sätzen der Suite und damit die extrem unterschiedlichen Charaktere der stilisierten Tänze plastisch herausarbeitete, hätte wohl auch Bach selbst begeistert – was bekanntlich ganz selten der Fall war.

[...]

Ausnahmslos Glanzlichter am Flügel, aber doch 'nur' glänzendes 'Beiwerk' neben dem absoluten Höhepunkt des Konzerts, der allein die weiteste Anreise gelohnt hätte. Als "Reise ins eigene Ich" wurde Franz Liszts Klaviersonate in h-Moll oft bezeichnet. Wie Bernard dieses Werk, das zu den wichtigsten und technisch anspruchsvollsten Stücken der Romantik zählt, interpretierte, stellt ihn gleichrangig in die eindrucksvolle Reihe der großen Pianisten, die sich an Liszts Sonate gewagt haben.

Unverwechselbare Interpretation

Und – ganz wichtig – Er bot seine ganz unverwechselbare Interpretation dieses Werks, das tatsächlich wie eine geniale Improvisation gespielt werden muss. Bernard interpretierte nicht, er bot gelebte Richtung, als er in 29 Minuten mit dem fast monolithischen, zweimaligen G eine Reise durch alle Abgründe und Gipfel des menschlichen Lebens antrat.

Es war eine Reise durch alle denkbaren Stimmungen und Haltungen zwischen Selbstbeherrschung und Exaltiertheit. Es gab wilde Läufe und brillante Akkordfolgen im Kontrast zu einer Art beseelter Einsamkeit im Andante sostenuto.

 

Eine Klavierreise in das eigene Ich, noch dazu in einem abgedunkelten Saal, der nur von einer Stehlampe auf der Bühne erleuchtet wurde, legt eben auch Schichten frei, die längst verschüttet schienen. Kann Musik Größeres erreichen? 

 

Main-Echo Aschaffenburg 

Technikwunder mit unglaublicher Virtuosität 

[...] unwillkürlich werden da Gedanken an den großen Magier auf der Geige, Nicoló Paganini, wach. Doch Bernard ist Pianist, und was für einer: ein Technikwunder, dessen unglaubliche Virtuosität die einen begeistert, andere bestürzt. [...] sein Spiel glich einem magischen Ritual. [...] man durfte sich noch mal genüsslich zurücklehnen und die schönen, einzigartigen Phrasierungen nebst der atemberaubenden Anschlagstechnik Bernards genießen.

 

Miltenberger Tageblatt

Die Tag- und Nacht- Saite

[...] Bernard mit einer taghellen, vorwärts blickenden Klarheit:

Rachmaninoffs Sonate in b-moll op. 36 – sperrig und vergrübelt depressiv – bekam einen heroisch-trotzigen Impetus.

Eine rundum reife Interpretation, die höchsten Respekt verdiente.

[...] Bernard, das musikalische Chamäleon, das sich jedem Stil kongenial anpasste: In getupftem Staccato Bachs 4. Französische Suite, kunstvoll das Jeu perlé in Mozarts Rondo KV 485. Viel Applaus erntete Bernard für Chopins h-moll Scherzo, das er mit leidenschaftlicher Wucht spielte, und schließlich für sein letztes Bonbon: Liszts Zweite Ungarische Rhapsodie – von Horowitz und Bernard zusätzlich mit virtuosen Einlagen bedacht.

 

Schwäbisches Tagblatt

Virtuose unter Strom

Selten hat das Pianistenfestival so spannend und kontrastreich begonnen - mit drei Künstlerpersönlichkeiten, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Dabei stand der erste Abend am Donnerstag ganz im Zeichen der Romantik.

Sebastian Bernard ist ein grüblerischer Lyriker, ein Pianist der Stimmungen. [...]
Auf seinen Wunsch blieb das Licht im Saal gelöscht, Bernard spielte im Schein einer Stehlampe.

Die heimelige Beleuchtung passte zur intimen Atmosphäre, Bernard hatte sicher das zarteste und anrührendste Timbre des Abends: ein feinfühliger, mitunter fast zerbrechlich wirkender Anschlag, seelenvoll schwebende Töne mit Schmelz und nostalgischer Patina. Brahms ́ Intermezzo A-Dur und Ballade g-moll aus Opus 118 oder Faurés Nocturne op. 119/2 hatten eine fragile poetische Schwermut.

Noch gedämpfter, ganz selbstvergessen, tanzten zwei der meistgespielten Chopin-Walzer ihre verstohlenen Kreise.

Dagegen waren vier Etudes-Tableaux und Préludes von Rachmaninoff klangvoll, traumschwer. [...]

Gerne beendet Bernard seine Auftritte mit tastenakrobatischen Eigenbearbeitungen, diesmal von Moritz Rosenthals Humoreske „Carneval de Vienne“.

Die 450 Zuhörer im Uni-Festsaal reagierten mit Bravo-Rufen und dem kräftigsten Beifall des Abends.

 

Tübingen, Schwäbisches Tagblatt 

Mit dem Klavier unterwegs auf eine gefühlvolle Reise

[...]

Ohne Zweifel interpretierte [...] der Pianist Schuberts Sonate [B-Dur] aus dessen Todesjahr 1828 so überzeugend, dass er sich vor seinen berühmten 'Vorgängern' wie Claudio Arrau oder Alfred Brendel nicht verstecken muss. Dabei fand er seinen ganz eigenen Ansatz.
Bernard spürte allen Facetten der Sonate in 40 Minuten intensiv nach, dem verhaltenen, zögernden Beginn, der Flucht vor dem drohenden Schrecken in ästhetisch schöne Melodien, der extremen Verlangsamung im Andante sostenuto und – in schönem Kontrast dazu – dem lebhaften, lichten Scherzo. Gebündelt wurde diese spannende Reise durch alle Gefühlsfacetten im vierten Satz, den Bernard in all seiner Vielfalt zwischen luftigen Kantilenen, dem Forte punktierter Akkorde, verstörenden Pausen und manchen 'schiefen' Harmonien so kongenial interpretierte, dass man mit geschlossenen Augen 'Seelenmusik' im allerbesten Sinn erleben konnte. 

Main-Echo Aschaffenburg

Bernards performance a study in skill, power and poise 

[...] that have earned him worldwide attention as a new, young brilliant pianist.

The Oregonian